Prof. Séralini erhält einen Whistleblower Preis. Oh weh!

Heute erschien dieser Artikel in der Sueddeutschen Zeitung:

http://www.sueddeutsche.de/wissen/gentech-kritiker-aktivist-statt-whistleblower-1.2653306

Prof.Gilles-Eric Séralini erhält den Whistleblowerpreis 2015 von der Vereinigung Deutscher Wissenschaftler VDW. Das nenne ich mal einen Schlag in die Magengrube! Wer von Prof. Seralini noch nie etwas gehört hat, Prof. Séralini ist  Molekularbiologe an der Universität von Caen und bekannt für seine Studien zu Glyphosat. Bekanntheit erlangte er vor allen durch seine fragwürdige Fütterungsstudie an Ratten, die er Ende 2012 veröffentlichte. Da es zu lange dauern würde die ganze Geschichte hier noch einmal darzulegen verweise ich auf Wikipedia: Séralini-Affaire

Die Studie wurde zu recht verrissen, sie ist einfach schlecht, in allen Belangen. Schon sehr kurz nach der Veröffentlichung dieser Rattenstudie wurde sie von Fachkollegen aus aller Welt eingehend gecheckt und für ungenügend befunden. Da die Aussage der Veröffentlichung allerdings so „stark“ waren, nämlich dass RoundUp Krebs auslöst, müßten auch das Bundesamt für Risikobewertung und die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit die Studie prüfen [1] [2] . Beide kamen zum gleichen Ergebnis: Séralinis „Studie“ ist Müll. Allerdings drückten beide Behörden sich natürlich netter aus.

 Considering that the study as reported in the Séralini et al. (2012) publication is of inadequate design, analysis and reporting, EFSA finds that it is of insufficient scientific quality for safety assessment.

On the basis of the publication, the BfR has come to the conclusion that the authors’ main statements are not sufficiently corroborated by experimental evidence. In addition, due to deficiencies in the study design and in the presentation and interpretation of the study results, the main conclusions of the authors are not supported by the data.

Eigentlich hätte hier Schluss sein können, allerdings kam die Vereinigung Deutscher Wissenschaftler e.V. VDW und die IALANA auf die glorreiche Idee Séralini ihren Whistleblowerpreis 2015 zu verleihen. Da frag ich mich: ja wofür denn? Für welche Leistung bitteschön? Tja, die Antwort auf diese Frage hat mich schon umgehauen

Professor Dr. Gilles-Eric Séralini hat als Wissenschaftler an der Universität Caen, Frankreich, als erster bei einem zweijährigen Fütterungsversuch mit Ratten die Giftigkeit und die tumorauslösende Wirkung des weltweit am häufigsten verwendeten Herbizids, des Glyphosat-basierten „Roundup“, im Tierversuch festgestellt. Unmittelbar nach der Veröffentlichung seines Forschungsberichts im Jahre 2012 in der Zeitschrift Food and Chemical Toxicology (FCT), die im Elsevier-Verlag erschien, ist er in einer Kampagne „interessierter Kreise“ aus der Chemieindustrie sowie von dem von der Industrie mitfinanzierten „British Science Media Centre“ vehement angegriffen worden……..

Sie konnte damit auch für die kürzlich veröffentlichte Neubewertung von Glyphosat als ‚wahrscheinlich krebserregend‘ durch die „International Agency for Research on Cancer (IARC)“ der Weltgesundheitsorganisation WHO herangezogen werden. Mit dieser IARC-Expertise wird nicht nur die tumorauslösende Wirkung, die Prof. Séralini in seinen Studien beobachtet und über die er berichtet hat, bestätigt, sondern auch, dass viele dieser Tumore bösartig sind, was bislang – trotz gegenteiliger Behauptungen – nicht Gegenstand der Untersuchungen von Prof. Séralinis Studien war. Gegenüber allen wissenschaftlichen und persönlichen Angriffen, auch solchen, die sich vor Gerichten als haltlos erwiesen, blieb Prof. Séralini in diesen durch seine Studien ausgelösten Konflikten in Wahrnehmung seiner berufsethischen Verantwortung standhaft. Diesen Attacken setzte er auf hohem wissenschaftlichem Niveau mit großer Ausdauer und Entschiedenheit seine Argumente entgegen. Er fand damit weltweit Unterstützung bei vielen WissenschaftlerInnen, die die von ihm gewählten Methoden verteidigen und seine gewonnenen Ergebnisse für weiterführend halten. Damit hat er den wissenschaftlichen Diskurs über die Gesundheitsrisiken des Glyphosat-basierten Herbizids „Roundup“ sehr gefördert. Darüber hinaus hat er systemische Schwächen bei der Zulassungsprüfung von Herbiziden im Besonderen und Pestiziden im Allgemeinen durch die zulassenden Behörden aufgedeckt. Damit ist erneut sichtbar geworden: Der Erhalt unserer Gesundheit ist von Whistleblowern abhängig. Diese nehmen unter Gefährdung ihrer persönlichen Integrität und ihrer Karriere ihre berufsethische Verantwortung wahr, weil innerstaatliche und europäische Stellen der ihnen übertragenen Verantwortung nur unzureichend gerecht werden. Sie verdienen unsere Anerkennung und Unterstützung. Der herausragende uneigennützige Einsatz von Prof. Séralini erfüllt die Kriterien der gemeinsamen Jury für den Whistleblower-Preis von IALANA und VDW und soll mit diesem Preis in besonderer Weise geehrt werden. Die ausführliche Begründung der Jury wird in Kürze veröffentlicht werden.

Diese Begründung strotzt nur so tendenziösen Aussagen, Verfälschungen, Übertreibungen und wissenschaftlichen Unwissen. Ich frage mich ernsthaft wie man zu so einer „Meinung“ kommen kann. Dank Google wäre es ein leichtes gewesen sämtliche Kritikpunkte an Séralini und seinen Studien nachzulesen, zu recherchieren. Vielleicht liegt es ganz banal an der Zusammensetzung des Kommitees :

Die Auswahl der Preisträger erfolgt auf Vorschlag der gemeinsamen Jury der VDW und der IALANA. Ihr gehören an:

Rechtsanwalt Gerhard Baisch (Bremen) * Bundesrichter Dr. Dieter Deiseroth (Leipzig/Düsseldorf) * Prof. Dr. Hartmut Grassl (früherer Direktor des Max-Planck-Instituts für Metereologie, Hamburg) * Agrarökologin Dr. Angelika Hilbeck (Eidgenössische Technische Hochschule Zürich) * Rechtsanwältin Christine Vollmer (Bremen)

Rechtsanwalt, Bundesrichter, Klimaforscher, Agrarökologin, Rechtsanwältin. Tja, beim nächsten mal vielleicht vorher mal bei einem Wissenschaftler anfragen, der entfernt was mit Séralinis Forschungsgebiet zu tun hat, dann hätte die Jury vielleicht erkannt, dass Séralini keinen „uneigennützigen“ Kampf gegen die Chemieindustrie führt. Ach ja, was würdet ihr von einem Wissenschaftler halten der für Phillip Morris arbeitet und eine Studie veröffentlicht in der herauskommt „Rauchen schadet nicht“? Und jetzt ratet mal von wem sich Séralini zahlreiche seiner Studien finanzieren lies.

P.s. hier noch ein schöner Blogbeitrag von Anna Müllner drüben bei SciLogs , sowie bei Ludger Weß

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